Eva-Maria Schaller - Vestris 4.0

Location

WERK X - Eldorado
1010 Wien, Petersplatz 1 (AT)

Termine

Veranstaltung abgelaufen.

Beschreibung

Choreografie ist ein Speicher für Energie, ein Archiv der Bewegungen und Zustände. Wer sich in dieses hineinbegibt, verändert sich. Das Projekt Vestris 4.0 unternimmt den Versuch, einer vorhandenen Choreografie die historische Maske abzunehmen und sie ins Heute zu übersetzen.

Ausgangspunkt der neuen Arbeit von Eva-Maria Schaller ist das Tanzstück Vestris von Leonid Yacobson, das der sowjetische systemkritische Choreograf 1969 für den damals noch in der UdSSR lebenden Tänzer Mikhail Baryshnikov kreierte. Es besteht aus kurzen Episoden, die auf Auguste Vestris, einen Tänzer aus dem 18. Jahrhundert, Bezug nehmen. Vestris, für seine Virtuosität bekannt, reformierte auch die Interpretation von Rollen, indem er streng getrennte Fächer (sérieux, demi-caractère und comique) miteinander verschmolz. Als einer der ersten Künstler legte Vestris die bis dahin üblichen Masken des Barocktheaters ab und setzte einen wichtigen Grundstein für die Etablierung des Balletts als eigene Kunstform.

In Vestris 4.0 schlüpft nun die Performerin Eva-Maria Schaller in das historische männliche Bewegungsmaterial von Yakobson, bricht die Vorlage von innen heraus auf und experimentiert damit, in den Körper eingeschriebene Ausdrucksformen zu dekonstruieren und neu zusammenzubauen. In enger Verbindung mit der packenden Livemusik von Matthias Kranebitter (Electronics) und Maiken Beer (Cello) entstehen neue Bedeutungsebenen und Räume für die Musikalität des Tanzes. Der Körper wird zum Medium, in dem die Tänzerin zwischen persönlicher und europäischer Tanzgeschichte navigiert.